Kritische Würdigung der "Qualitätskriterien für gute Typografie"

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Das Forum Typografie hat eine Erklärung mit dem Titel „Qualitätskriterien für gute Typografie“ veröf­fent­licht (die Sie u. a. in unserem Downloadbereich als RTF-​Dokument herun­ter­laden können).

aurum:media unter­stützt die „Qualitätskriterien für gute Typografie“. Diese Erklärung ist wichtig und richtig!

Wir wissen aber auch: Gute Typografie, insbe­sondere hoch­wertige Meisterleistungen, lassen sich nicht immer in feste Regeln fassen. Neben den obli­ga­to­ri­schen fundierten Kenntnissen von Gestaltungs­grundlagen benötigt jeder gute Gestalter auch hand­werk­liches Geschick, Talent und vor allem die Fähigkeit zum Querdenken und Neuvernetzen.
Auch wenn eine „Typografie der Mitte“ manchmal seine Berechtigung hat – würde es nur Richtig und Falsch geben, dann wäre die Inszenierung von Mitteilungen nicht halb so befriedigend. 

So viel­seitig heut­zutage die Anforderungen an uns Dienstleister sind, so viel­seitig müssten also auch Qualitätskriterien für gute Typografie definiert sein. In einem solchen Regelwerk würde man aber schnell die Übersicht verlieren. 

Wir fügen den Qualitätskriterien daher nur zwei Anmerkungen hinzu, die wir aller­dings für wesentlich halten.

Menschen sind keine Automaten!
Ebenso wichtig wie die Kenntnisse der gestal­te­ri­schen Systeme ist auch ein Bewusstsein der Unsystematik. Es gibt Dinge, die nicht nach unserer Gewohnheit funk­tio­nieren. Manchmal sind gerade Regelverstöße Ursprung einer großen Idee! Qualität entsteht oft gerade dort, wo Regeln bewusst (!) verletzt werden. Neben der Aufgabe, Ordnung in das Chaos zu bringen hat Typografie also manchmal auch die Aufgabe, Chaos in die Ordnung zu bringen – zum Beispiel damit eine Gestaltung Aufsehen erregt oder längere Zeit im Gedächtnis bleibt.

Darüber hinaus hat eine quali­täts­volle Typografie frei nach Giambattista Bodoni nur dann „Anmut, wenn sie nicht mit Unlust und Hast, auch nicht mit Mühe oder Fleiß, sondern mit Lust und Liebe erstellt wurde“. Dies scheint uns überhaupt die Wichtigste aller „Regeln“ dieser nütz­lichen und schönen Kunst zu sein.
Wir Typografen sind auch Triebtäter!

Wir hoffen, dass die Initiative „Qualitätskriterien für gute Typografie“ quali­tativ hoch­wertige Typografie verstärkt in das Bewusstsein der Schriftanwender und Informationskonsumenten rückt, zur Beschäftigung mit ihr anregt und nicht zuletzt diese kritische Würdigung zu einer offenen Diskussion beiträgt.

Dieser Text kann hier ebenfalls als RTF-​Dokument herun­ter­ge­laden werden.


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