Deutsche Umlaute fürs Ausland

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Eine befreun­dete Kolle­gin hat uns per Mail eine Frage gestellt:

Es geht um die Schreib­weise von z. B. „München“ im Absen­der, wenn man Visi­ten­kar­ten macht, die über­wie­gend im englisch­spra­chi­gen Ausland einge­setzt werden.

Mein Kunde schreibt dann „Muen­chen“, den Namen aber wieder mit „ö“ z. B. „Schön“.

Das ist doch unlo­gisch, oder? Gibt es eine Regel dafür? Wie macht Ihr das?

Hier unsere Antwort:

Ich schlage Dir die, aus unserer Sicht, einzi­gen zwei gülti­gen Möglich­kei­ten vor.

Entwe­der die korrekte engli­sche Schreib­weise, also „Munich“, oder die korrekte deut­sche Schreib­weise, also „München“.

 

Die unschöne Schreib­weise „Muen­chen“ ist nichts anderes als eine Verge­wal­ti­gung des Stadt­na­mens.

Diese stammt noch aus den Zeiten, als Adres­sen noch mit Schreib­ma­schi­nen geschrie­ben wurden, welche nur eine sehr begrenzte Anzahl an mögli­chen Zeichen darstel­len konnten. Auch die ersten Compu­ter­sys­teme konnten aufgrund des begrenz­ten Zeichen­sat­zes (z. B. ASCII mit nur 95 druck­ba­ren Zeichen) nicht alle Buch­sta­ben verar­bei­ten. ASCII war auch in den Anfän­gen des Inter­nets der „kleinste gemein­same Nenner“.

Heute werden Adres­sen nicht mehr so häufig von Hand abge­schrie­ben, sondern einfach mit Copy & Paste über­nom­men. Außer­dem können auch die auf der Tasta­tur nicht‐aufgedruckten Zeichen meist über entspre­chende Tasten­kom­bi­na­tio­nen, Menübefehle oder kleine Hilfs­pro­gramme einge­fügt werden.

Die Anzeige, Verar­bei­tung, Über­tra­gung und Archi­vie­rung von Akzent­buch­sta­ben (Diakri­ti­sche Zeichen), Umlau­ten und anderen natio­na­len Sonder­zei­chen stellt, heute in Zeiten von Unicode (über vier Milli­ar­den mögli­che Zeichen), für keine ernst­zu­neh­mende Soft­ware oder Daten­bank mehr ein Problem dar.

 

Ob man bei der engli­schen Schrei­bung (Munich) dann auch eine „Straße“ als „Strasse“ schrei­ben sollte (was sehr häufig gemacht wird), kann man viel­leicht disku­tie­ren. Aber das „Scharfe S“ ist für einen englisch­spra­chi­gen Auslän­der auch nur ein weite­res deut­sches Sonder­zei­chen.

Grund­sätz­lich würde ich es selbst aber nicht wollen, dass beispiels­weise eine spani­sche Firma für mich eine eigene einge­deutschte Version seiner Visi­ten­kar­ten erstel­len würde, nur weil ich viel­leicht zu blöd bin, ‚spani­sche‘ Akzente richtig auf die Buch­sta­ben zu setzen.

Liebe Grüße aus der Sene­fel­d­erstraße!

Wie Umlaute und Sonder­zei­chen am besten unter MacOS und Windows einge­ge­ben werde können, erfah­ren Sie u.a. hier.


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